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Internetbetrug: Viel Geld bezahlt für keine Ware

#1 von sunny78 , 27.01.2013 01:10

Internetbetrug: Viel Geld bezahlt für keine Ware

Bautzen. Der Job eines Staatsanwaltes ist manchmal ziemlich anstrengend.
Diese Erfahrung hat Thomas Bürger von der Staatsanwaltschaft Bautzen sicher schon desöfteren gemacht –
ganz sicher jedoch am vergangenen Dienstag.

Da nämlich stand er vor der Aufgabe, die Anklageschrift gegen den 38-jährigen Enrico F. aus Großdubrau
und dessen 59-jährige Mutter Inge K. aus Bautzen zu verlesen.
Beide stehen derzeit wegen Internetbetruges vor dem Landgericht Bautzen –
sie sollen von mehr als 500 Geschädigten in ganz Deutschland,
Österreich und der Schweiz Vorauszahlungen für Computer und Elektrogeräte entgegengenommen haben, ohne die Ware zu liefern.
Der Schaden liegt laut Gerichtssprecher Heiko Philippi bei circa 200.000 Euro.

Nun sieht es die Prozessordnung vor, dass der Staatsanwalt jeden einzelnen Fall mit Name des Opfers,
Schadenssumme, Tagebuchnummer und Blattnummer verlesen muss.


Thomas Bürger wollte die Prozedur ein wenig abkürzen und bat um die Erlaubnis,
auf letztere beide Angaben verzichten zu dürfen.
Vergeblich – die Vorsitzende Richterin Carmen Becker bestand auf der vollständigen Verlesung der Anklageschrift – Ordnung muss sein.
Selbst auf die Postleitzahlen, die er „stillschweigend“ übergehen wollte, wies sie ihn hin.
Und so folgte die unvermeidliche Prozedur: Name, Wohnort, Art des erworbenen Gegenstandes – mal ein Camcorder,
mal ein Flachbildfernseher, ein Laptop, ein Drucker, aber auch Espresso-
und Kaffeemaschinen wurden bei Enrico F. und Inge K. geordert, aber niemals geliefert.

Kein Wunder – verfügten die Elaso Versand GmbH und die später gegründete Buy 24 Ltd.
doch über keinerlei Lagerbestand. „Die Bestellungen wurden entgegengenommen und Vorauskasse verlangt,
um sich zu Lasten der Besteller rechtswidrig zu bereichern“, so die Schlussfolgerung der Staatsanwaltschaft.

Im Frühjahr 2007 war es, als Enrico F. auf die Idee kam, einen Internethandel aufzuziehen.
Als Geschäftsführerin der Elaso GmbH fungierte seine Mutter Inge K., der die Staatsanwaltschaft allerdings nur eine
„untergeordnete Rolle“ beimisst. Maßgeblicher Kopf war zweifellos der Sohn, der als „verantwortlicher Angestellter für den Geschäftsbetrieb“ fungierte.
„Ab dem Juli 2007 entwickelte sich der Versandhandel zum Massengeschäft“, so Staatsanwalt Thomas Bürger.
„Bis zum 31. August gab es schon eine große Anzahl von Nichtlieferungen, davon 120 ohne Rückzahlung.“

Im noch größeren Stil dann stieg Enrico F. mit der „Buy 24 Ltd.“,
einer Gesellschaft nach englischem Handelsrecht, ins dubiose Geschäft ein.

Zunächst von einer Wohnung auf dem Bautzener Burgplatz aus, später aus dem Technologie-
und Gründerzentrum nahm er von April bis Juli 2008 Bestellungen und Vorauszahlungen entgegen,
ohne jemals Ware zu liefern. In einigen Fällen, in denen die Geschädigten mit Klage drohten,
zahlte er immerhin die Kaufsumme zurück. Dennoch summierte sich der Schaden aus diesen Geschäften auf knapp 127.000 Euro.

In dem auf fünf Verhandlungstage terminierten Prozess sollen unter
anderem ein Wirtschaftsprüfer und ein Sachverständiger des Landeskriminalamtes gehört werden.

Bereits am Mittwoch Nachmittag ist das Urteil gefällt worden.

Gerichtssprecher Heiko Philippi:
„Die 1. Strafkammer des Landgerichts Bautzen verurteilte den 38 jährigen gelernten Koch Enrico F. wegen Betruges in 298 tateinheitlichen Fällen
in Tatmehrheit mit Betrug in 151 tateinheitlichen Fällen zu der Gesamtfreiheitsstrafe von vier Jahren.
Der Verurteilung ging eine Verständigung zwischen Verteidigung, Staatsanwaltschaft und Gericht voraus.
Der Angeklagte gestand umfassend für die jeweiligen Firmen als Verantwortlicher agiert zu haben.
Die Aussagen konnten verifiziert werden.“

Grüße
sunny78


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